Wie kann ich die Zuhörer während des Seminars aktivieren?

Vielen Seminaren fehlt der nötige Pfiff und die Zuhörer langweilen sich. Warum ist das so? Es liegt ganz eindeutig am Vortragsstil des Dozenten und auch an den verwendeten Hilfsmitteln. Die Wahl der richtigen Präsentationsform entscheidet über Gedeih oder Verderb Deines Referats. Abstrakte und komplexe Themen können als Vortrag im klassischen Frontalunterricht vermittelt werden, während alle anderen Inhalte bei einem Seminar besser aufgehoben sind. Seminare und Vorträge sollten dabei möglichst lebendig gestaltet werden, weil sonst die Gefahr besteht, dass die Zuhörer abschalten.

Zu einem guten Seminar gehört also der notwendige Input zu Beginn und die anschließende Aktivierungsphase des Publikums. Das bedeutet nicht, dass Gäste wie in der Schule direkt angesprochen oder aufgefordert werden sollen, sondern beinhaltet interessante Aspekte menschlicher Kommunikation, auf die wir im Folgenden näher eingehen werden. Selbst Vorträge kannst Du mit unseren Methoden interessanter gestalten, indem Sätze verwendet werden, die beim Zuhörer größtmögliche Aufmerksamkeit erzeugen. Umfragen zufolge empfinden die meisten Menschen Präsentationen als langweilig und verbinden diese mit endlosen PowerPoint-Referaten. Die Technik rückt dabei in den Mittelpunkt, Referent und Zuhörer verschwinden dagegen im Hintergrund. Dieser unpersönliche Vortragsstil kommt nicht gut an, denn der Mensch ist Entertainer und möchte unterhalten werden. Mit unseren Tipps erfährst Du, wie das im Seminar funktionieren kann.

Tipp 1: Eine Botschaft vermitteln

Eine Präsentation hat meist das Ziel, bei den Zuhörern ein bestimmtes Verhalten auszulösen. Masse ist dabei nicht klasse, sondern auf das „Wie“ kommt es an. Egal, ob die Gäste später ein Produkt kaufen, zur Mitarbeit bewegt werden oder ihre Einstellung zu einem Thema ändern – Du hast es in der Hand. Leider wird das Publikum häufig mit Informationen und Argumenten überschüttet in der Hoffnung, dass etwas Brauchbares dabei sei. Fokussiere Dich auf das Wesentliche Deiner Präsentation und punkte mit jenen Argumenten, die nötig sind, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu erhaschen. Diese Kernbotschaften sprechen Dein Gegenüber direkt an und erzeugen Interesse:

– „Dadurch verdoppelt sich Ihr Gewinn“
– „So gewinnen Sie neue Kunden“
– „Mit dieser Methode können Sie das Gelernte gleich umsetzen“

Kurze und prägnante Sätze, die stets in der „Sie“-Form an Dein Publikum gerichtet werden, erzeugen die größte Aufmerksamkeit. Schlüsselbegriffe, welche in die Kernbotschaften integriert werden können sind beispielsweise „Tipp, Gewinn, Macht, Methode, Ratgeber, Erfolg und Glück“. Du erkennst sicherlich, dass die meisten dieser Begriffe positiv konnotiert sind, weil sich der Mensch von seinem Wesen her nach Erfolg, Glück und Macht sehnt. Vermeide insbesondere „man“-Botschaften, weil diese sehr unpersönlich wirken und formuliere direkte Sätze ohne Konjunktive. Vergleiche dazu die beiden folgenden Beispiele:

– „Man kann mit dieser Methode auch einen Gewinn erzielen“
– „Mit dieser Methode erzielen Sie einen sicheren Gewinn“

Letztere Formulierung wird Dir besser gefallen, weil sie kurz und bündig ist. Achte in Deinem Vortrag stets darauf, solche Kernbotschaften zu integrieren.

Tipp 2: Emotionen wecken

Der Mensch ist ein emotionales Wesen und handelt nicht immer nach seiner Ratio. Faktisches Wörterbuch-Wissen kann zunächst interessant sein, früher oder später wird das Publikum aber abschalten. Es ist deshalb wichtig, die Zuhörer zum Träumen zu bringen, indem sie emotional angesprochen werden. Gefühle wie „Ja, das wäre schön“ oder „Ja, das will ich auch haben“ können durch geschickte Formulierungen erzeugt werden. Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, die unterschiedlichen Vorerfahrungen der Zuhörer zu berücksichtigen. Es ist deshalb wichtig sich vor dem Seminar klar zu machen, aus welchem Personenkreis das Publikum besteht. Fragen wie „Was erwartet das Publikum?“ und „Wie kann ich den Zuhörern einen Mehrwert bieten?“ sind besonders hilfreich. Überlege Dir, was die Zuhörer interessiert, warum sie hier sind, was sie sich erhoffen oder befürchten und was sie mitnehmen möchten. Während der Präsentation sollte das Publikum wiederholt angeschaut werden, weil Blickkontakt die Aufmerksamkeit sichert. Auf den Präsentationsfolien sollten nur Überschriften, Schlagworte und Zitate stehen. Längere Textpassagen werden vom Publikum entweder überhaupt nicht vollständig aufgenommen oder Du wirst als Referent überflüssig, weil die Zuhörer sich nicht mehr auf Dich konzentrieren.

Tipp 3: Das Publikum für sich gewinnen

Folien sollten das Gesagte unterstreichen und nicht ersetzen. Deshalb ist es wichtig, dass diese nicht überladen, dafür aber besonders aussagekräftig sind. Ein interessantes Bild, eine beeindruckende Grafik oder ein schönes Diagramm können den Vortrag sinnvoll ergänzen. Geeignet sind jene Elemente, die das jeweilige Argument des Referenten inhaltlich oder emotional stützt bzw. verstärkt. Auf jeden Fall sind auf den Folien kunterbunte Farben und Animationen zu vermeiden. Ein winkendes Smiley stört dabei ebenso wie Sätze, die durch die Präsentation fliegen. Du bist der Mittelpunkt des Vortrags, die Folie sollte Dein Referat nur ergänzen! Das Publikum kann leicht für sich gewonnen werden, wenn es ausreichend miteinbezogen wird. Du solltest deshalb während deines Vortrags immer wieder Fragen stellen, selbst rhetorische Fragen regen das Publikum zum Nachdenken an. Dabei solltest Du allerdings nicht zu aufdringlich sein, weil sich die Gäste sonst wie Schüler vorkommen, die abgefragt werden. Sinnvolle Fragen können sein:

– Wie kann man dieses Diagramm interpretieren?
– Was drücken diese Zahlen wohl aus?
– Würden Sie vielleicht auch so reagieren? (Rhetorische Frage/ keine Antwort erwartet)

Wenn Du das Publikum aktivierst, solltest Du immer offene Fragen stellen. Das sind Fragen, auf die nicht mit „Ja“ oder „Nein“ geantwortet werden kann. Vergleiche die beiden folgenden Fragen:

– „Würden Sie dem Autor recht geben?“
– „Was könnte der Autor damit gemeint haben und wie ist Ihr Standpunkt?“

Die zweite Frage regt zum Diskutieren an, während auf erstere einfach mit „Ja“ geantwortet werden kann.

Tipp 4: Geschichten und Beispiele erzählen

Kernbotschaften sollten häufig in Zitate, Lebensweisheiten, Geschichten sowie Beispiele eingebettet werden, weil sie dem Publikum dann länger im Gedächtnis bleiben. Es kann hilfreich sein, die ganze Präsentation in einem dramatischen Spannungsbogen zu beschreiben: Eine kurze Einleitung führt die Zuhörer an die Thematik heran und weckt Aufmerksamkeit. Anschließend wird das Problem oder Thema anschaulich beschrieben, so dass die Zuhörer zustimmend nicken. Danach sollte der Idealzustand präsentiert werden, dem die Lösung (und der Höhepunkt der Präsentation) folgt. Der Schluss soll das Publikum dazu motivieren, selbst aktiv zu werden und das Gehörte umzusetzen. Der Folienumfang sollte der Präsentationsdauer angepasst werden, mehr als zehn Folien pro 20 Minuten sind übertrieben. Du solltest vor Deinem Seminar alle Folien tilgen, die weder Kernbotschaften vermitteln, noch Emotionen erzeugen oder Dein Anliegen veranschaulichen.

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